Von Montrose nach Durango

Am Morgen sind schon große Teile der Lobby und des unteren Ganges mit Teppich verlegt. Hat der Verleger eine Nachtschicht eingelegt? Zumindest sitzt er mit uns im Frühstücksraum und trinkt Kaffee. Mein Gatte freut sich über eine, wie soll ich sagen- Nürnberger Rostbratwurst Frikadelle. Also sieht aus wie ein Burger und schmeckt nach Wurst. Ich kann das nicht mehr sehen, vom Essen ganz zu schweigen. Toast. Reicht. Das Hotel bietet so eine Art Gepäckrollwagen. Damit wird das Gepäck fast ins Auto gerollt. Toll. Die Reise geht auf dem Highway 550 in Richtung Süden. Es geht wieder in die Berge. Der Weg durch diesen Teil nennt man auch den Million Dollar Highway. Ich bin nicht sicher, ob er so teuer war oder ob damit der Ausblick gemeint ist. Oder vielleicht bezieht es sich auf die Kohle, die man hier mit Gold und Silber gemacht hat. Was das Erstere betrifft, hätte es seine Brgründung. Wir kommen an Bergseen vorbei und passieren viele Kurven und Kehren. Es gibt kleine Orte auf dem Weg durch die Berge. Als ersten die „kleine Schweiz“ der Rocky Mountains- da ist wieder so ein Spruch. Manchmal wird sich hier ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt.  Ouray  ist ein wunderschönes kleines Örtchen. Alte Häuser und im Grunde nur eine Main Street groß. Ganz entzückende Läden. Ich habe bestimmt was gekauft. Aber was? Ach ja. Wir waren in der Red Mountain Trading Post. Ein älterer Herr, der aussieht wie Willie Nelson erzählt uns, dass seine Mutter, heute 88 jährig, einen Amerikaner geheiratet hat und aus Würzburg stämmig in die Staaten gezogen ist. Ich habe einen Löffel gekauft und eine Gürtelschnalle. Jetzt hab ich es wieder. Wir haben Durst und kaufen uns die schlimmste Limo, die wir je getrunken haben. Dafür sitzen wir aber schön vor der Türe des Ladens und gucken. Einfach mal gucken ist auch schön. Die Limo ist eine der Sorte, wo man mit jedem Schluck mehr Durst bekommt. Es geht weiter durch die Berge. Es kommen die Red Mountains. Man glaubt ja nicht, wo die ihren Namen her haben. Die sind rot. Der Weg, und damit ist tatsächlich DER Weg gemeint, denn einen anderen gibt es nicht, führt uns in die ehemalige Silberminenstadt Silverton. Hier ist die Main Street ganz wundervoll. Allerdings ist das alles Fassade. Vorne hui, hinten pfui. Das macht aber nichts. Dieser Ort muss auch schon mal für Filme als Kulisse herhalten. Bringt ja auch Geld in die Kasse. Ohne Tourismus ist hier nix. Tja außer der Dampflokomotive. Dieses uralte Ding, dass jeden Tag von Silverton nach Durango fährt. Sie dampft und tutet. Ganz toll. DIe Fahrt mit 2 ständigem Aufenthalt dauert 9 Stunden. Die zuckelt halt durch die ganzen Berge. Sie lädt verlässlich Touristen ab und die kaufen und essen. Wir entschließen uns aus Interesse ein ACME Healing Center zu besuchen. Colorado ist einer der wenigen Bundesstaaten in den USA, in dem Cannabis legal ist. Das ganze Geschäft liegt in Staatshänden. Ich habe mal eine Dokumentation darüber gesehen. Also der Konsument und die Konsumentin darf ab 21 Jahren dort hinein und nach eingängiger Passkontrolle THC kaufen. Dies in allen Variationen. Gras, Kaugummi, Getränke, Gummibärche, Verdampfer. Der Laden selbst sieht wie eine Apotheke aus. Man kann dort kaufen, aber nicht konsumieren. Auch in der Öffentlichkeit darf nicht konsumiert werden. Für Touristen schlecht. Der Mann hinter der Theke berichtet, dass ein paar Meter die Straße runter eine Dame ihren Garten zum Kiffen bereit stellt. Wie nett. Denn in den eigenen vier Wänden oder eben auf Privatgelände kann geraucht werden. Wir dürfen ein mal an einem Glas Gras riechen. 9-13$ pro Gramm kostet es. Und so erklärt sich auch, warum in Colorado so eine entschleunigte und entspannte Atmosphäre herrscht. Es gibt dann noch so etwas wie Kiffertourismus. Da bucht man eine Busfahrt. Dabei sitzt man in netter Runde auf Sesseln und fährt in der Weltgeschichte rum und raucht. Dabei werden Ausflüge zu Cannabisplantagen und Glasbläsereien für Pfeifen unternommen. Wir gehen wieder. Sehr interessant das Ganze. Es ist Nachmittag und was passiert da in den Bergen? Richtig. Es regnet. Na Gott sei Dank können wir uns noch in eine Brewery mit Pizzaofen retten. Was für ein Glück. Wir essen lecker Pizza und fahren nach dem Schauer weiter nach Durango. Die Travellodge ist das bis jetzt abgerockteste Motel. Es gibt ein Queen Bett für uns zwei. Also da bin ich in den letzten Wochen ein bisschen verwöhnt worden. Der Typ an der Rezeption gehört in einen Film und das ganze Motel eigentlich auch. Mein Gefühl sagt mir, dass ich mal im Internet die Seite „Bed Bugs“ aufrufen sollte. Das geht allerdings erst, nach dem wir dem Typen an der Rezeption gesagt haben, dass das WiFi nicht funzt. Der muss den Router immer mal neu starten. Also die Seite mit den Bed Bugs listet Hotels und Motels auf, in denen Gäste mal mit den Tieren, die in, auf und unter Matratzen wohnen, in näheren Kontakt gekommen sind. Dieser Kontakt sieht dann meistens so aus, dass die Tierchen beherzt in ihren Beischläfer beißen, was dann wiederum hässliche und schmerzhafte Pusteln hinterlässt. Und gucke da… die Travellodge war dort auch aufgeführt. Im Jahre 2013 hat eine Frau berichtet Bed Bugs im Bett gehabt zu haben. Sie habe dann ihr Geld zurück bekommen und sei woanders untergekommen. Die hat’s gut. Ich werfe einen vorsichtigen Blick in und unter das Bett. Ich erachte es als Käferfrei und hoffe, dass das nachts auch so bleibt. Nicht, dass ich mir vorkomme wie Onkel Fritz bei Max und Moritz. Während ich ein kleines Nickerchen mache, findet der Gatte heraus, dass direkt vor der Tür ein Bus in die Stadtmitte fährt. Das zeigt schon, dass Durango etwas größer ist. 17.000 Leute. Das wiederum erhöht die Chancen auf einen Walmart. Wir gehen zur Bushaltestelle und der Bus kommt so gleich. Wir fahren nach Downtown. Wieder ein schöner historischer Kern. Wir schlendern. Als Regen aufkommt können wir noch in eine Bar flüchten. Die leicht verhuschte Bardame macht uns den schlechtesten Mojito der Welt mit Ansage. Das sei der erste den sie macht. Ja da ist noch Luft nach oben. Ich weiß nicht was da drin ist, aber es wird mit für die kommenden Tage Sodbrennen bescheren. Wir bummeln weiter und gucken uns Downtown an. Der Zug kommt gerade reingetutet. Ganz reizend. Wir betreten aus Versehen eine Kneipe. Darinnen sind nur ganz wenige Touristen anzutreffen. Genau genommen nur zwei. Mein Gatte und ich. Sehr spannend zu sehen. Wir gucken uns das ein bisschen an und fahren dann mit dem Bus, der auch gleich kommt, zurück in unser Parasitenhotel. 

Häuschen in Silverton.


Cowboy in Durango.


Ein Wasserfall irgendwo zwischen Ouray und Silverton.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.