Ein zweiter Tag in Jackson

Ausgepennt! 8.45 Uhr in diesem tollen Motel aufgewacht. Ich finde es großartig. Im Zimmer gibt’s keinen Kaffee, man kann sich aber in der Lobby 24 Stunden welchen holen. In Styroporbechern. Würde ich ja nicht verwenden wenn ich die wäre, aber wenn es nichts anderes gibt. Zunächst widme ich mich meiner Wäsche. Die unromantische Seite einer Reise- nach Halbzeit muss auch mal gewaschen werden. Ich breite alles im Kofferraum des Autos aus. Da trocknet es am Schnellsten. Eine Idee meines Gatten. Da der Kühlschrank nicht viel her gibt, gehen wir in ein Breakfastlokal. Nein nicht Wendy’s. Bubba’s Bar-B-Que. Man kommt herein und wird an einen Platz geleitet. Vorher gibt’s einen Kaffeebecher, die Karte und Besteck in die Hand gedrückt. Der Laden ist voll. Später merken wir erst, dass eine sehr große Reisegruppe von Jugendlichen hier im gesamten Lokal verteilt ist. Es ist also nicht immer so voll und so laut. Die bezaubernde Bedienung um die 50 bringt Kaffee. Sie wird mit dem Nachschenken nicht aufhören, bis wir das Lokal verlassen haben. Der Gatte bestellt das Breakfast of the Day ich irgendwas mexikanisches mit Bacon und keine Ahnung. Es schmeckt ganz hervorragend. Am Nebentisch bekommt die Verantortliche der Jugendreisegruppe ihre Rechnung und ich habe den Impuls ihr mit der Speisekarte Luft zuzufächeln. Muss horende sein die Summe. Es läuft schön gemixte Musik. Ich könnte schon wieder für immer bleiben und das gesamte  Personal umarmen.


In der Mitte des Tisches steht eine Papierrolle. Ich bitte den Mann gegenüber die Rolle aus meinem Blickfeld zu nehmen, aber sie ist am Tisch angeschraubt. Ich wusste das, der Gatte nicht.


Nach dem Frühstück glücklich und voller Kaffee gehen wir in den Dollar Tree. Muss so etwas wie Tedi oder Mc Geiz sein, nur wie sollte es anders sein… viel besser. Wir stöbern rum und ich finde das, wonach ich schon seit zwei Wochen gesucht habe „Bingo Bumper“. Ich bin glücklich und nehme fünf unterschiedliche Farben. Wir haben in den Bergen eine Seilbahn ausgemacht und gucken uns das mal von Nahen an. Sie ist sehr hoch und eher ein Sessellift und steil. Wir kaufen zwei Karten für stolze 20$ pro Person und fahren hoch. Ich darf mich nicht bewegen, nicht sprechen und auch sonst nichts machen außer atmen, weil mein Gatte unter Höhenangst leidet und sich erst an die Situation anpassen muss. Danach geht’s dann auch und wir genießen den Ausblick zunächst nach oben. Der Blick ist dann auch sehr schön. Man kann über das ganze Teton Gebirge schauen und ich bemühe das erste Mal im Leben so ein großes stationäres Fernglas, durch das man mit zwei Augen gucken kann. Ich kann das nicht, weil das Ding nicht für mein Gesicht gebaut ist. Ich kann für die 25 Cent nur mit einem Auge in die Ferne schweifen. Ist aber auch ganz nett.

Ich werde in der City Jacksons ausgesetzt und der Gatte bringt das Auto zum Motel zurück. Wir wollen uns um 15.15 Uhr an der Million Dollar Cowboy Bar treffen. Es soll mir Zeit zum Blogschreiben geben. Leider werde ich abgelenkt von einem Second Hand Laden der St. John’s Church. Ein riesen Ding mit Klamotten. Ich kaufe mir eine Hose und bin ganz glücklich. 4,20$. Ich bummele durch einen kleinen Park und schlendere an unterschiedlichsten Geschäften vorbei. Jedes ist toll und will von innen bestaunt werden. Es gibt viel Schmuck hier und Bilder, Kitsch suche ich vergebens. Ich hätte fast die Zeit vertrödelt. Na das hätte was gegeben. Ich komme noch pünktlich an. Die Frage, ob ich schön geschrieben hätte musste ich verneinen. Bin ich ja gar nicht zu gekommen. Ich berichte vom Second Hand Laden und schon geht’s noch mal da rein. Der Gatte kauft zwei wunderschöne Hemden, ich ein Kleid, das ich wohl beim ersten Mal übersehen hatte. Alles ganz günstig. Jackson hat eine Menge zu bieten. Zum Beispiel eine kleine Brewery, die Snake River Brewery Company. Sie soll unsere nächste Attraktion sein. Wir setzen uns draußen hin und gucken auf die Karte. Es gibt viele tolle Sorten und wir bestellen ein Hefeweizen. Er bringt eine Karaffe davon. Es schmeckt ausgezeichnet. Das sagen wir dem Kellner, der auch gleich fragt, wo wir herkommen. Germany! Ist ja klar, dass wir wissen wie gutes Weizenbier schmeckt meint er. Wir haben aber auch nicht untertrieben- das Bier ist super.


Sehr dunkle Wolken ziehen auf und in der Ferne gewittert es. Alles zieht vorbei, kein Tropfen fällt. Wie wunderbar. Wir bestellen jeder noch eine andere Sorte Bier. Ich zitiere an dieser Stelle gern Herrn Harald Juhnke:“Es gibt nichts Tolleres, als leicht einen sitzen und keinen Termin im Nacken zu haben“. Wir zahlen und schlendern. Ich habe noch einige Besorgungen zu machen. Wir passieren ein Gebäude und es braucht einige Zeit, bis mir klar wird, was das ist. Ein Salathaus.


Alles ohne Erde, in Rinnen nebeneinander und sich wie Teppich auf der Rolle im Baumarkt drehend. Verrückt! Pünktlich um 18 Uhr beginnt am Townssquare in Jackson das große Shooting. Laienschauspieler spielen eine Szene aus dem Wilden Westen nach. Alles mit viel Entertainment. Es ist mir schon häufiger bei öffentlichen Veranstaltungen aufgefallen, dass die Akteure fragen, wo das Publikum so herkommt. Aus Wyoming natürlich und welche aus Kalifornien. From other Countrys? Gatte brüllt „Germany“. Ahhhh Germany, Great. Das ist mir immer unheimlich peinlich. Beim Rodeo hat er das auch mal gemacht. Da waren wir auch die einzigen Deutschen. Bei allen Staaten haben die Leute immer applaudiert. Bei uns nicht. Nun ja. Es geht also los. Frauen und Männer schießen wild in der Gegend rum. Es geht irgendwie um häusliche Gewalt gegen eine Frau und um einen Westernganoven. Ich hätte mich gefreut, wenn Theater Vinolentia dieses Schauspiel gegeben hätte! Die Damen in so tollen Kleidern und die Herren mit Gewehr und Hemd und Hut und so. Das wäre doch mal was. Eine Wildwest Show.


Wir kehren noch einmal in die Millon Dollar Cowboy Bar ein und machen uns dann auf den Heimweg. Wie es so kommt, kommt uns Wendy’s in die Quere. Es gab ja auch noch kein Abendessen. Abhilfe geschaffen mit einem Queso Burger- heute ist mein mexikanischer Tag. Im Saloon des Motels soll heute Karaoke stattfinden und ich spekuliere ein bisschen, ein Lied von Neil Diamond gesungen zu bekommen. Doch wie lange wir auch an der Bar sitzen, es gibt nur Fernsehen und keine Karaoke. Hätte sich auch nicht gelohnt bei vier müden Gestalten die da gesessen haben- uns inklusive. Also gucken wir Baseball. Das macht zwar nur halb so viel Spaß wenn man die Regeln nicht kennt, aber es ist dennoch nett anzusehen.

Ein Gedanke zu “Ein zweiter Tag in Jackson

  1. Bei der Vino-Wild-West-Show bin ich dabei wenn ich die singende Saloon-Ische in so nem ausschweifendem Kleid sein darf. Grüße

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